
Die Stralsunder Wasserkunst
| Am 10. und 11. Oktober 1678 wurde Stralsund durch Kurfürst Friedrich Wilhelm furchtbar zerstört, wo bei kriegerischen Auseinandersetzungen mehr als die Hälfte der Gebäude in Trümmerhaufen verwandelt wurden. Des weiteren fielen durch die Unvorsichtigkeit einer Frau am 16. Juni 1680 in der Blauturmstraße durch eine Feuerbrunst abermals etwa 230 Häuser in Schutt und Asche. Hierbei brannte auch das Rathaus teilweise aus, und der Arthushof wurde völlig zerstört. Infolge dieser entsetzlichen Ereignisse trat im Sommer 1687 eine Anzahl Bürger zusammen, um die Errichtung einer neuen Wasserleitung ins Leben zu rufen. In den darauffolgenden Jahren entstand die Stralsunder Wasserkunst. Das Wasser wurde aus dem Knieperteich, zu dessen Reinhaltung sich die schwedische Krone 1685 verpflichtet hatte, durch zwei Röhren entnommen und in einen Brunnen unter dem Kunstgebäude geleitet. Ein Pumpwerk, das von dem wismarschen Kunstmeister von Zwolle errichtet wurde, schaffte das Wasser von dort in einen Behälter im zweiten Stockwerk. Aus diesem hob ein zweiter Pumpsatz das Wasser in einen unter dem Dach befindlichen großen Sammelbehälter. Von dort wurde es durch hölzerne Röhren in die Stadt geleitet. |
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Zum Heben des Wassers wurde zuerst ein Wasserrad benutzt, das jedoch wegen des enormen Wasserverbrauchs aufgegeben und durch einen mit Pferden betriebenen Göpel ersetzt wurde. Erst im Jahre 1863/64 wurde teilweise Dampfbetrieb und 1873 voller Dampfbetrieb eingeführt. Das Rohrnetz wurde allmählich bedeutend ausgedehnt und das hölzerne Röhrensystem durch ein Eisernes ersetzt. |
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Vom Jahre 1859 bis 1874 versuchte man durch eine ausgiebige Baggerung des Knieperteiches, eine Verbesserung des Wassers für die direkte Nutzung als Trink- und Brauchwasser zu erzielen. Die Baggerung bewirkte jedoch die gänzliche Ausrottung der Wasserpflanzen im Teich, eine stärkere Wucherung der Algen durch Nährstoff-Freisetzung und es trat eher eine Verschlechterung der Wasserqualität ein. Mitte des vorherigen Jahrhunderts herrschte infolge der schlechten Wasserqualität in Stralsund Typhus. Stralsund war dadurch bekannt und nicht zu Unrecht gefürchtet. |
| Damals glaubte man, an Stelle des bisher verwendeten Oberflächenwassers, Grundwasser in genügender Menge in der Umgebung von Stralsund finden zu können. Man beauftragte den Ingenieur Thiem, die weitere Umgebung systematisch zu untersuchen. Da diese in der Umgebung von Stralsund ausgeführten Bohrungen keine Aussicht auf ausreichendes gutes Grundwasser versprachen, beschlossen die städtischen Körperschaften am 9. Oktober 1889 eine Einrichtung zu schaffen, durch die die Stadt mit einem durch Filtration möglichst gereinigten Wasser aus dem südlich und südwestlich gelegenen Seengebiet, dem Krummenhäger, dem Borgwall- und dem Pütter See, versorgt werden soll. Von diesem Zeitpunkt an gingen die Erkrankungsfälle an Typhus rapide zurück. Von der Zeit der Eröffnung des Wasserwerks an wurde das Wasser regelmäßig durch den Vorsteher des städtischen Untersuchungsamtes kontrolliert. Das Leitungswasser genügte im größten Teil des Jahres qualitativ den Mindestanforderungen. Es wurde als gesundes Trinkwasser und gutes Brauchwasser bezeichnet. In der heißen Jahreszeit aber ließ es zu wünschen übrig. Es trübte sich mehr oder weniger stark und hatte zeitweise einen widerwärtigen Geruch oder Geschmack. Außerdem trat bei Berührung mit Luft eine mehr oder minder starke Gelbfärbung und schließlich die Ausscheidung von braunen Flocken ein. Die Flocken bestanden in der Hauptsache aus Eisenhydroxyd, das aber nicht aus dem Rohwasser des Sees, sondern aus dem Zersetzungsprozeß der chlorophyllhaltigen Algen im Filter stammte. |


