Klärgas soll künftig mehr Wärme für Stralsund liefern
Auf der Hauptkläranlage in Stralsund nimmt ein wichtiges Infrastrukturprojekt sichtbar Gestalt an. Die Klärgasverwertung wird grundlegend erneuert. Moderne Blockheizkraftwerke und ein zusätzlicher Wärmespeicher sollen künftig dafür sorgen, dass die im Klärgas enthaltene Energie effizienter genutzt werden kann.
Klärgas entsteht bei der Behandlung des Abwassers durch natürliche Abbauprozesse. In den Blockheizkraftwerken, kurz BHKW, wird es verbrannt. Dabei entstehen gleichzeitig Strom und Wärme. Die erzeugte Energie wird bislang vor allem für die betrieblichen Prozesse der Kläranlage genutzt. Wärmeüberschüsse, die insbesondere in den Sommermonaten entstehen, können derzeit jedoch noch nicht vollständig genutzt werden.
Die bisherige BHKW-Anlage hat nach mehr als 25 Jahren Betriebszeit das Ende ihrer technischen und wirtschaftlichen Lebensdauer erreicht. Sie wird deshalb durch moderne und deutlich effizientere Anlagen ersetzt. Mit ihnen soll künftig mehr Wärme ausgekoppelt und in das Fernwärmenetz eingespeist werden. Die zusätzliche Wärme kann dann für die Versorgung der Frankenvorstadt und der Hafenkante genutzt werden und dort Erdgas ersetzen.
Auf dem Gelände sind die Fortschritte bereits deutlich zu sehen. Der neue Kamin für die Blockheizkraftwerke und der Wärmespeicher wurden aufgestellt. Auch die beiden neuen Blockheizkraftwerke sind inzwischen angeliefert und im Gebäude positioniert worden.
Besonders markant ist der neue Wärmespeicher. Er ist elf Meter hoch, fasst 64,3 Kubikmeter und wiegt im leeren Zustand bereits 7,4 Tonnen. Transport und Einbringung auf das Gelände waren deshalb eine besondere Herausforderung.
Der Wärmespeicher übernimmt künftig eine wichtige Funktion: Er verbindet das Wärmenetz, aus dem die Wärme kommt, mit dem Fernwärmenetz, in das sie künftig eingespeist werden soll. In der Fachsprache wird diese Verbindung als hydraulische Weiche bezeichnet. Der Speicher gleicht aus, dass Wärme nicht immer zu dem Zeitpunkt erzeugt wird, zu dem sie gebraucht wird. So kann die Wärme bedarfsgerechter genutzt und besser in die Versorgung integriert werden.
Mit der Erneuerung der Klärgasverwertung schafft Stralsund damit nicht nur eine effizientere Nutzung des eigenen Klärgases. Das Projekt legt zugleich wichtige Grundlagen für den weiteren Ausbau der Fernwärmeversorgung und für einen geringeren Einsatz von Erdgas im Stadtgebiet.